Die Lederhose - das bayrische Kulturgut


Die Geschichte der Lederhose. Was für die Schotten der Kilt, ist für den zünftigen Gebirgler die Lederhose .Um mal der weit verbreiteten Vorstellung, speziell im weitem Ausland, zu begegnen: "Nicht alle Bayern und Österreicher laufen das ganze Jahr mit Trachtenhut und Lederhose herum"!

Dennoch gilt sie als Stamrneszeichen für den alpinen Menschen bajuwarischer Abstammung. Aber die LH ist weder von einem bay. Wildschütz noch von einem Tiroler Freiheitshelden erfunden worden, schon die alten Germanen kannten sie.

Lederbekleidung kennt man schon aus der Urgeschichte. Die Lederhose scheint man auf zwei Urformen zurückführen zu können:
Die eine Hosenform ,deren ledernen Hosenbeine an den Knöcheln zusammengebunden waren, wurde bereits von Reitervölker in der Antike erfunden und dann von Kelten, Germanen und später von den Römer übernommen.
Anderseits verwendete man lange Beinbinden, die an einem Lederwams befestigt wurden. Später setzte man im Schritt einen Lederzwickel, auch Schamkapsel genannt, der den Vorläufer des Hosenlatzes bildete.

Seine heutige Stellung und Form verdankt die Lederhose einem historischen Prozess, der im ausgehenden Rokoko seinen Anfang nahm. Damals wurde es in der höfischen Gesellschaft Mode, Bauernhochzeiten und Schäferspiele zu veranstalten, bei denen man sich durch entsprechende Kostümierung in das Landvolk verwandelte. Die Bauer und Landarbeiter trugen einfache mit Blauholz schwarz gefärbte Hose aus Bock und Schafshäuten. Der Adel hingegen verwendete für seine Kostümierung edle Wildlederhäute vom Hirsch Rehbock oder Gams, da die Jagd auf diese Tiere nur ihm vorbehalten war.

Mit den Napoleonischen Kriegen und mit der Errichtung eines Neuen Kaisertums in Österreich wurde die Tracht ein fixer Bestandteil vaterländischer Feste. Angeregt durch das Vorbild des österreichischen u. bayerischen Adel bevorzugte man in den gehobenen Kreisen die Gebirgstracht bzw die Kleidung der Jäger. Auf diese Weise fand die kurze Lederhose, - auch Krachlederne genannt -, mit reicher Auszier geschmückt d.h. farbigen Naturmotiven (wie Eichenlaub oder Weinlaub) in Plattstickerei aufwendig bestickt , weite Anerkennung und Verbreitung. Allmählich lief die kurze LH Gefahr, wie es eben so in der Mode ist, von der langen Hose der städtischen Kleidung und der Uniformen und dem Trachtenanzug verdrängt zu werden. Selbst die Gebirgler begann die kurze LH sträflich zu vernachlässigen.

Diesem Übel wollte ein Mann Abhilfe schaffen. Als der Lehrer Joseph Vogl aus Bayrischzell mit seinen fünf Stammtischbrüdern wieder einmal über das Verschwinden der Lederhose lamentierten, forderte Lehrer Vogl seine Kumpanen auf, sich mit ihm zünftige Lederhosen beim Säckler (oder auch Beutler genannt) anfertigen zu lassen. Das war am 25.August 1883,ein Datum das in die bay, Geschichte einging.

Die 6 jungen Bayrischzeller ging mit ihren neuen Lederhosen zum nächsten Kirchgang, und ernteten aber dort nur Spott und Missfallen. Die kurze LH, nur als Arbeits- und Freizeitbekleidung früher verwendet, wurde im Vergleich zu den strengen Trachtenanzügen, als Verstoß gegen die guten Sitten empfunden. Die Kirche bezog sofort Stellung gegen die so genannten Kniehösler und verbot ihnen die Teilnahme an Prozessionen. Es ging sogar noch weiter, im Jahr 1913 wurden die Kurzhosenvereine vorn erzbischöflichem Ordinariat in München als sittenwidrig erklärt. Daraufhin gründeten Joseph Vogl und seine Bayrischzeller einen Verein zur Erhaltung der Volkstracht im Leitzachtal und Bayrischzell und holten sich allerhöchste Rückendeckung bei König Ludwig II. Ludwig war, wie sein Vater, größter Trachtenpfleger und von deren Idee voll und ganz begeistert. Aufgrund der neu entstehenden Heimatverbundenheit und dem neuen Interesse an Brauchtum und Tradition, schossen im ganzen Land Trachtenerhaltungsvereine aus dem Boden . Die Traditionskleidung "Lederhose" und alles was dazu gehört erlebten einen ganz neuen Aufschwung. Die Lederhose gehörte wieder zu jedem Anlass ,ob Fronleichnamsprozession Leonhardifahrt ,Fingerhakeln oder Plattlersfest (hier trug man eine spezielle Plattlerhose ,aus geglätteten Velourleder).

Jede Landesregion hatte ihre eigene Lederhosen-Machart, die sich durch die Stickart und Stickmotive oder Leder- und Garnfarbe Unterschied. Bayern präsentierten sich die "Kniehösler" meist in ihren schwarz bis dunkelbraunen Bockvelour- oder Gamsvelourhosen ,die mit grüngelben Eichenlaubstickerei und Blindsteppziernähten an den Hosenbeinen ,Trägern und am Hosentürl geschmückt waren. Bei noch mehr Ausschmückung wurden Charivari und in den Bergregionen bestickte Bauchbinden verwendet. Typisch für unsere Ostbayrische Region war und ist die Tellernaht am Gesäß, oft nur blind gesteppt oder bei ganz aufwendig verarbeiteten Hose als eigenes Lederteil gearbeitete und am Scheitelpunkt also in der Mitte der Hose mit Blumenstick aufwendig verziert .Dazu trägt man Trachtensocken mit Haferlschuh und in Oberbayern Wadlstutzen so genannte Loferl.. Der Adel kleidete sich damals eher in der ganz schlicht gehaltene Ledertracht, meist im Form der längeren und schmäleren Kniebundhose. Der bekannteste Kniehösler Kaiser Franz Josef meist in edler Knickerbocker aus Hirschvelourleder gekleidet, zeigte sich mit der Tracht damit besonders volksnah.

Ihre Hochzeit erlebte die Lederhose kurz nach dem ersten Weltkrieg, als zahllose Sommerfrischler und alpine Touristen die neue Mode begeistert aufnahmen und ihren Neuerwerb nicht nur am Ferienort sondern auch in der Stadt anzogen. Festivitäten wie Salzburger Festspiele und die Operette "Im Weißen Rössl" und Künstler , Heimatpfleger und Schriftsteller Ludwig Ganghofer und Ludwig Thoma unterstützten diese Verbreitung der LH weit über die Landesgrenzen hinaus. In dieser Zeit entstand auch die typische Sepplhose - eine grau bis beige gefärbte sehr kurze Lederhose mit aufgebogenen Stulpen, -Symbol für Wanderlust und Freizeit; .Sie avanciert schnell zur Tracht verschiedener Jugendbewegungen auch bis zur Zeit als die Farbe des Hemdes sich in Braun verwandelte.

Nach dem 2.Weltkrieg waren die Eltern froh ,wenn sie ihre Kinder wieder in Lederhose stecken konnten, die dann von Kind zu Kind weitergereicht wurden. Das Aufkommen der Blue Jeans verdrängte die Lederhose allmählich in allen übrigen Lebensbereichen Zum Trost für alle Lederhosenfans sei noch erwähnt, dass der Erfinder der Blue Jeans Levi Strauss ein Bayer war, der nach San Francisco auswanderte.

In der heutigen Zeit erfreut sich die LH in ihrer traditionellen Art wieder höchster Beliebtheit, musste aber manchen modischen Exkurs durchstehen, spezielle in der Landhausmode, in der unser "Kulturgut" teilweise zum "Kulturschock" mutierte.